+49 (0)241 14 94 66 0 beratung@itsecurity-ist-pflicht.de

Windows 10: Datenschutzeinstellungen nicht vergessen!

Das neue Microsoft-Betriebssystem zeigt deutlich, wie wichtig die Datenschutzkontrolle ist, bevor man neue Software nutzt. Denn Datenschutz als Standard ist auf dem IT-Markt bisher kaum in Sicht.

Ein verlockendes Angebot?

Windows 10 erfreute sich gleich nach seinem Start Ende Juli 2015 großer Beliebtheit bei den Nutzern. Einer der Gründe dürfte sein, dass das Betriebssystem unter bestimmten Bedingungen als kostenloses Upgrade erhältlich ist. Doch kaum war das neue Betriebssystem von Microsoft auf dem Markt, meldeten sich Daten- und Verbraucherschützer mit deutlicher Kritik zu Wort. So bezeichnete der Thüringer Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Windows 10 als „Fenster zur Privatsphäre“. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. sprach bei Windows 10 von „Überwachung bis zum letzten Klick“.

Datenschutzerklärungen bleiben oft ungelesen

Die Medien haben daraufhin viel über den Datenschutz bei Windows 10 berichtet. Viele Nutzer waren überrascht von den Meldungen über die Sammlung personenbezogener Daten durch das Betriebssystem. Hätte man allerdings die Datenschutzbestimmungen von Windows 10 gelesen, wäre die Überraschung geringer gewesen. Denn dort liest man, dass Windows 10 eine „personalisierte IT-Umgebung“ ist und dass die Schlüsselkomponenten von Windows auf der Cloud beruhen. Weiter heißt es dort: „Um dieses Computer-Erlebnis anzubieten, erheben wir Daten über Sie, Ihr Gerät und wie Sie Windows verwenden. Und weil Windows für Sie persönlich ist, geben wir Ihnen die Wahlmöglichkeiten darüber, welche personenbezogenen Daten wir sammeln und wie wir diese verwenden dürfen.

Datenschutz-Optionen müssen auch genutzt werden

Tatsächlich informiert Microsoft also über die Sammlung personenbezogener Daten. Manche Datenschützer lobten deshalb die Transparenz bei Windows 10. Was allerdings nicht den Vorstellungen des Datenschutzes entspricht, ist die im IT-Markt weit verbreitete Vorgehensweise, die Datenschutzeinstellungen im Standard eher datenschutzunfreundlich zu gestalten.
Datenschutz als Standard“ oder „Privacy by Design“ hat also noch eher Seltenheitswert. Für Unternehmen und jeden einzelnen Nutzer von Windows 10 bedeutet das, die Datenschutz-Optionen zu überprüfen und individuell einzustellen.

Bequemlichkeit kann riskant sein

Die größte Gefahr bei Datenschutz-Optionen ist, dass man als Nutzer die Voreinstellungen ungeprüft übernimmt und damit die Entscheidung über den anzuwendenden Datenschutz dem jeweiligen Anbieter überlässt. Das gilt nicht nur für Microsoft und Windows 10, sondern ganz generell. Im Fall von Windows 10 sollte man also nicht die „Express-Einstellungen“ bei der Installation wählen, sondern sich die Zeit nehmen, die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten rund um den Datenschutz zu sichten und zu nutzen. Abkürzungen wie die „Express-Einstellungen“ erscheinen komfortabel und bequem. Doch sie sind nicht ohne Weiteres zu empfehlen.

Viele Einstellungen haben Bezug zum Datenschutz

Wer sich die Funktion „Einstellungen“ bei Windows 10 ansieht, findet dort auch spezielle Datenschutzoptionen. Im Prinzip können sich aber auch in vielen anderen Auswahlbereichen Einstellungen finden, die für den Datenschutz wichtig sind. Bei Windows 10 sind das zum Beispiel neben „Datenschutz“ auch Einstelloptionen wie „System“, „Geräte“, „Netzwerk und Internet“, „Personalisierung“, „Konten“, „Zeit und Sprache“ sowie „Update und Sicherheit“.

Unter den „Datenschutzeinstellungen“ bei Windows 10 finden sich dann gebündelte Auswahloptionen, die Sie allesamt durchsehen sollten. Nicht immer ist direkt ersichtlich und verständlich, warum dieser oder jener Punkt Relevanz für den Datenschutz haben könnte. Doch Einstellungen zum Beispiel zur Kamera legen fest, welche Anwendungen die Bilder nutzen dürfen. Würde es hier keine Einschränkung geben, könnten Bilder an Anwendungen und Dritte gelangen, die diese eigentlich nicht bekommen sollten, würde man den betroffenen Nutzer konkret fragen.

Datenschutz kann Verzicht mit sich bringen

Je nach Option führt die datenschutzfreundliche Einstellung allerdings dazu, dass sich bestimmte Funktionen nicht mehr vollständig oder sogar überhaupt nicht mehr nutzen lassen. Die Spracherkennung Cortana zum Beispiel möchte für eine vollständige Funktion auch Zugriff auf Standortdaten, E-Mails, SMS, Kontaktdaten, Suchverlauf des Browsers und Kalendereinträge. Unterbindet man bestimmte Zugriffe, sind die Funktionen des Sprachassistenten eingeschränkt. Wenn man die Weitergabe der Standortdaten nicht zulässt, funktioniert der digitale Assistent Cortana überhaupt nicht. Das ist bedauerlich. Denn viele Spracheingabe-Funktionen brauchen eigentlich keine aktuellen Positionsdaten.

Der Datenschutz sollte es Ihnen aber wert sein, auf bestimmte Funktionen zu verzichten, insbesondere dann, wenn Datenzugriffe, die die Software fordert, aus Nutzersicht nicht nachvollziehbar sind. Grundsätzlich sollten Datenschutzerklärung und Datenschutzeinstellungen weitaus mehr Beachtung finden – und zwar nicht nur bei Windows 10, sondern bei jeder Software und bei jedem Online-Service.