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Wem gehört ein verlorenes Smartphone?

Sie verlieren Ihr Smartphone. Jemand findet es. Er gibt es ganz korrekt beim Fundbüro der Gemeinde ab. Was passiert eigentlich dann? Das kommt darauf an – übrigens auch darauf, in welchem Bundesland Sie Ihr Smartphone verloren haben!

Im Sommer stapeln sich die Smartphones

Besonders wenn es jetzt wieder Sommer wird, stapeln sie sich in manchen kommunalen Fundbüros regelrecht: Smartphones, Laptops und ab und an auch noch ein gutes altes Handy. Doch was tut die Fundbehörde eigentlich mit solchen Geräten?

Befundbescheinigung für den Finder

Der erste Schritt ist die Registrierung der Fundsache und des Finders. Der Finder erhält auf Wunsch eine Fundbescheinigung. Ein kluger Finder lässt sich diese – für ihn kostenlose – Bescheinigung ausstellen. Sie kann für ihn später nämlich noch einmal ein kostbares Dokument sein.

Rückgabe an den Eigentümer – oder auch nicht

Dann tut die Behörde in der Regel zunächst einmal nichts. Schließlich könnte sich der Eigentümer des Geräts melden. Und natürlich bekommt er dann sein Gerät zurück. Freilich nur dann, wenn er sein Eigentum auch nachweisen kann. Nur Naive glauben, sie könnten beim Fundbüro die dort gelagerten Geräte „einmal durchschauen“, um zu sehen, ob ihr Handy dabei ist. So einfach läuft das natürlich nicht. Wer Glück hat, hatte sein Smartphone vielleicht in einer auffälligen selbstgebastelten Hülle stecken. Wenn er sie gut beschreiben kann und sie wirklich ein Einzelstück ist, kann das zur Identifizierung ausreichen. In der Regel wird es freilich komplizierter. Meist geht es nicht ohne die Seriennummer der SIM-Karte oder die IMEI/MEID-Nummer des Geräts. Sie wissen nicht, was das ist? Dann wird es im Ernstfall ganz gewiss schwierig.

Verwahrung für sechs Monate

Falls sich der Eigentümer nicht meldet oder er sein Eigentum nicht nachweisen kann, verwahrt die Fundbehörde zunächst einmal sechs Monate lang amtlich das Gerät. Manche Fundbehörde versucht, über den Handyhersteller den Eigentümer zu ermitteln. Dazu nutzt sie die eben genannten Nummern. Manche Behörde tut dies aber auch nicht – beispielsweise weil sie dazu schlicht keine Zeit hat. Auch hängt der Umfang der Aktivitäten davon ab, welche technischen Kenntnisse die Mitarbeiter zufällig haben.

Erwerb des Eigentums durch den Finder – oder auch nicht

Sind die sechs Monate vorüber, kann der Finder verlangen, dass die Behörde ihm das Gerät herausgibt. Durch Ablauf dieser Frist ist er nämlich Eigentümer des Geräts geworden! Das ist im Bürgerlichen Gesetzbuch so geregelt (§ 973 Absatz 1 BGB). Wichtige Ausnahmen: Sollte das Gerät in den öffentlichen Räumen einer Behörde oder in einem öffentlichen Verkehrsmittel gefunden worden sein, wird der Finder nicht Eigentümer. So will es § 978 Absatz 1 BGB. Wer also ein mobiles Gerät beispielsweise in der U-Bahn findet, hat Pech gehabt. In allen anderen Fällen wird ein kluger Finder sich nach sechs Monaten wieder an die Fundbehörde wenden und seine Fundbescheinigung vorlegen. Dann wird ihm das Gerät ausgehändigt. Schließlich ist er jetzt Eigentümer des Geräts.

Das Schicksal der Daten auf dem Gerät

Was passiert aber mit den Daten auf dem Gerät? Beispielsweise mit sehr persönlichen Fotos? Oder den kompletten Telefonlisten? Hier ist die Handhabung in den einzelnen Bundesländern erstaunlich unterschiedlich:

  • In Bayern verlangt der Landesbeauftragte für den Datenschutz, dass die Fundbehörde die Daten auf dem Gerät entweder selbst löscht oder durch ein Fachgeschäft löschen lässt. Die Kosten hierfür stellen die Fundbehörden dem Finder in Rechnung. Zahlt er sie nicht, bekommt er das Gerät auch nicht.
  • In Baden-Württemberg vertritt der Landesbeauftragte für den Datenschutz die Auffassung, dass die Fundbehörde die Daten löschen soll. Das allerdings nur dann, wenn es „ohne großen technischen Aufwand“ möglich ist – was immer das heißen soll. Ansonsten sei das Gerät mitsamt den Daten an den Finder herauszugeben. Das soll vor allem gelten, wenn eine Löschung nicht möglich ist, weil technische Mittel den Datenzugriff blockieren.
  • Der Landesbeauftragte für den Datenschutz Sachsen-Anhalt argumentiert dagegen ähnlich wie der Landesbeauftragte in Bayern. Er erwartet, dass die Fundbehörde die Daten entweder selbst löscht oder von einem Fachunternehmen löschen lässt. Falls das nicht möglich ist (etwa bei Zugriffsblockaden), müsse das Gerät datenschutzgerecht entsorgt werden. An den Finder dürfe es dann nicht herausgegeben werden. Diese These erscheint freilich kühn. Schließlich ist der Finder kraft Gesetzes Eigentümer geworden, und im BGB steht nichts davon, dass die Fundbehörde sein Eigentum aus datenschutzrechtlichen Überlegungen heraus vernichten darf.

Wichtig: Gerätenummern festhalten!

Für Unternehmen wie Privatpersonen lautet der wichtigste Rat: Sorgen Sie dafür, dass die identifizierenden Nummern jedes Geräts sicher festgehalten sind. Dann besteht nämlich die Chance, das Gerät zurückzuerhalten, und Fragen des Datenschutzes stellen sich nicht mehr. Kostenlos ist eine Rückgabe übrigens nicht. Die meisten Behörden haben eine Gebührenordnung und verlangen 15 bis 25 Euro.