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Ein Monteur als Fotomodell des Arbeitgebers

Ein Monteur wirkt an einem Imagefilm für das Unternehmen mit, bei dem er arbeitet. Als er später aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet, möchte er, dass sein Ex-Arbeitgeber den Film auf der Homepage des Unternehmens löscht. Kann der Monteur das ernsthaft verlangen?

Zwei „Mini-Auftritte“ in einem Imagefilm

Ein Unternehmen wollte seinen Internetauftritt neu gestalten. Dazu gehörte auch ein Werbefilm von etwa drei Minuten Länge. Die Werbeleute rieten dringend dazu, in diesem Film nur echte Mitarbeiter auftreten zu lassen, weil das authentischer wirkt. So geschah es. In dem Film sind insgesamt über 30 Arbeitnehmer des Unternehmens zu sehen, darunter auch der Monteur. Er tritt zweimal auf: Einmal steht er an einem Schaltschrank. Einmal sitzt er auf einem Stuhl. Beide Szenen sind jeweils etwa drei Sekunden lang.

Schriftliche Einwilligung im Vorfeld

Das Unternehmen hatte alle Mitarbeiter, die in dem Film zu sehen sein sollten, vorher um eine schriftliche „Einverständniserklärung“ gebeten. In der Erklärung heißt es, dass die Filmaufnahmen zur freien Nutzung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens verwendet werden dürfen.

Um unnötigen Aufwand zu vermeiden, hatte das Unternehmen nicht jeden einzelnen Arbeitnehmer eine eigene Erklärung unterschreiben lassen. Vielmehr war der Einverständniserklärung eine Unterschriftsliste beigefügt, auf der alle betroffenen Arbeitnehmer – darunter auch der Monteur – unterschrieben hatten. Diese Unterschriftsliste trug die Überschrift „Thema: Filmaufnahmen“.

Widerruf der Einverständniserklärung beim Ausscheiden aus dem Unternehmen

Als der Monteur drei Jahre später aus dem Unternehmen ausschied, forderte er seinen früheren Arbeitgeber auf, das Video von der Homepage zu entfernen. Gleichzeitig widerrief er seine „möglicherweise erteilte Vollmacht betreffend der Filmaufnahmen“.

Dennoch kein Anspruch auf Löschung des Films

Das Unternehmen kam seinem Wunsch sogar nach und entfernte den Film von seiner Internetseite. Gleichzeitig behielt es sich jedoch vor, die Aufnahmen erneut zu veröffentlichen. Deshalb kam es zu einem Rechtsstreit, der schließlich bis zum Bundes-arbeitsgericht führte. Dort erlebte der Monteur dann eine deutliche Niederlage. Nach Auffassung des Bundesarbeitsgerichts darf sein früherer Arbeitgeber den Werbefilm einschließlich der Szenen mit dem Monteur auch künftig verwenden. Zur Begründung hebt das Gericht vor allem Folgendes hervor:

  • Ob der Arbeitgeber überhaupt eine Einverständniserklärung des Monteurs für die Aufnahmen benötigte, erscheint aus der Sicht des Gerichts zweifelhaft. Darauf komme es jedoch letztlich nicht an, weil die möglicherweise notwendige Vollmacht ohne jeden Zweifel vorhanden sei.
  • Es ist aus der Sicht des Gerichts nicht notwendig, dass jeder einzelne Arbeitnehmer eine individuelle Erklärung unterzeichnet. Die Unterschrift auf einer Unterschriftsliste genüge, wenn – so wie hier – ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Unterschrift und dem Einwilligungstext bestehe.

Fortwirkung der Einwilligung auch nach dem Ausscheiden

Das Ausscheiden aus dem Unternehmen hat nach Auffassung des Gerichts keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Einverständniserklärung. Eine schriftlich erteilte Zustimmung zu Bild- oder Filmaufnahmen bleibe vielmehr auch dann wirksam, wenn das Arbeitsverhältnis beendet werde.

Widerruf nur aus plausiblem Grund möglich

Zwar kann nach Meinung des Gerichts ein Arbeitnehmer eine einmal erteilte Einwilligung prinzipiell später widerrufen. Das gelte allerdings nur, wenn er einen plausiblen Grund für seinen Widerruf nennen könne. An einem solchen plausiblen Grund für einen Widerruf fehlt es aus der Sicht des Bundesarbeitsgerichts im vorliegenden Fall. Jedem Arbeitnehmer müsse klar sein, dass Filmaufnahmen sehr kostenaufwendig sind und nicht ständig neu erstellt werden können, nur weil einzelne Personen, die im Film zu sehen sind, aus dem Unternehmen ausscheiden.

Lebensnahe Argumentation des Gerichts

Die Argumente des Gerichts sind lebensnah und vernünftig. Wer in untergeordneter Rolle an einem Imagefilm mitwirkt, kann nicht erwarten, dass der Film nur deshalb gelöscht wird, weil er aus dem Unternehmen ausscheidet. Ohne dass diese Formulierung böse gemeint wäre, ist ein solcher Arbeitnehmer „austauschbar“. Der Betrachter eines solchen Films erwartet nämlich lediglich, irgendeinen „echten“ Mitarbeiter zu sehen. Wer dieser Mitarbeiter konkret ist, ist dem Betrachter dagegen gleichgültig.

Alternative für Betroffene: bei Filmaufnahmen nicht mitwirken!

Wenn jemand diese Überlegungen nicht für überzeugend hält, bleibt ihm selbst-verständlich immer noch die Freiheit, nicht an Filmaufnahmen mitzuwirken. Zwingen kann und wird ihn dazu niemand.