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Digitales Testament – Online nach dem Tod?

Sie liegen am Strand. Sie versenden gerade über WhatsApp oder Facebook schöne Sommerfotos. Und da sollen Sie darüber nachdenken, was mit Ihren Nachrichten und Ihren persönlichen Profilen geschehen würde, wenn? Warum eigentlich nicht? Wo steht geschrieben, dass solche Themen nur in den trüben November gehören?

Fast jeder am Strand nutzt WhatsApp & Co.

Vermutlich über 80 % aller Touristen, die an einem Strand liegen, haben einen Account bei Facebook, schreiben Nachrichten über WhatsApp oder haben Bilder bei flickr.com oder ähnlichen Diensten hochgeladen. Das gehört heute zum Leben und macht oft viel Freude. Was aber ist, wenn das eigene Leben irgendwann endet? Was wird dann aus den Bildern, Texten und Nachrichten?

Viele bilden ihr ganzes Leben im Netz ab

Diese Frage ist schon deshalb wichtig, weil beispielsweise so mancher Facebook-Nutzer alle wesentlichen Stationen seines Lebens in Bild und Text hochgeladen hat. Diese Daten sind dann etwas ganz Wesentliches, das von ihm bleibt. Oder auch nicht, wenn alles einfach gelöscht wird. Natürlich kann man das Thema verdrängen. Aber ob das wirklich eine so gute Idee ist? Irgendwann wird es präsent sein. Das weiß jeder, der zum Beispiel schon einmal miterleben musste, wie in seinem Umfeld ein junger Mensch tödlich verunglückt ist.

Ein schriftliches Testament schafft Klarheit

Wer nichts dazu festlegt, was mit den eigenen Daten nach dem Tod geschehen soll, hinterlässt vor allem eines: Unsicherheit. Wenn Ihnen das Thema wichtig ist, sollten Sie deshalb schriftlich festhalten, was zum Beispiel mit Ihrem Facebook-Account geschehen soll. Soll er gelöscht werden? Oder wollen Sie das ganz bewusst nicht? Niemand kann dies ahnen, wenn es keine Festlegung gibt.

Beachten Sie Formvorschriften

Eine solche Anordnung kann selbst-verständlich Teil eines Testaments sein. Sie kann aber auch unabhängig von einem Testament getroffen werden. Auch in diesem Fall sollten Sie jedoch die Formvorschriften für eigenhändige Testamente einhalten (hand-schriftlicher Text! Ort und Datum angeben! Unterschrift nicht vergessen, möglichst mit Vor- und Nachnamen!). Das vermeidet spätere Streitigkeiten.

Sorgen Sie dafür, dass der Erbschein gefunden wird

Die sorgfältigste Vermächtnis hilft nichts, wenn sie keiner kennt und wenn sie nach dem Tod nicht gefunden wird. Dieses Problem lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise lösen:

  • Falls die Anordnung Teil eines eigenhändigen Testaments ist, sollte das Testament möglichst in „öffentliche Verwahrung“ gegeben werden. Jedes Amtsgericht gibt hierzu die nötigen Hinweise (auch telefonisch). Die Kosten betragen einmalig ungefähr 60 bis 80 Euro.
  • Eine weniger sichere Alternative ist die Aufbewahrung in der eigenen Wohnung. Dann sollte möglichst jemand ins Vertrauen gezogen werden. Er kann sich dann später darum kümmern, dass die Anordnung auch gefunden wird.

Ohne Account-Übersicht geht es nicht

Viele Internetnutzer haben nicht nur einen Account, sondern mehrere. Dann stellt es oft ein Problem dar, sämtliche Accounts zu finden. Ideal wäre es deshalb, wenn Sie eine Übersicht mit allen Accounts anfertigen. Noch idealer wäre es, wenn Sie diese Liste immer wieder aktualisieren. Die Praxis zeigt, dass vor allem die Aktualisierung oft unterbleibt. Doch ist eine nicht ganz aktuelle Übersicht immer noch besser als keine. Die Übersicht sollte Ihrer Anordnung beigefügt werden.

Auch der Benutzername ist wichtig

Zu jedem Account sollte jedenfalls der Benutzername, der im Internet sichtbar ist, festgehalten werden. Nur so ist sichergestellt, dass klar ist, um welchen Account es jeweils geht. Die Anordnung „Mein Facebook-Account soll nach meinem Tod gelöscht werden“ geht mit hoher Sicherheit ins Leere, wenn die Inhaberin beispielsweise im realen Leben Susanne Müller heißt, der Account aber die Bezeichnung „munich_cat“ trägt.

Vorsicht bei Kennwörtern!

Fragwürdig erscheint dagegen der Ratschlag, auch das jeweilige Kennwort festzuhalten. Daraus ergeben sich nicht nur Sicherheitsprobleme für die Aufbewahrung der Übersicht. Vielmehr ist es auch nicht unbedingt nötig, das Kennwort nennen zu können, wenn man den Account eines anderen nach dessen Tod löschen lassen will.

Sofern die Anordnung des Verstorbenen im Original vorgelegt werden kann, ist eine Löschung auch dann möglich, wenn das Kennwort nicht genannt werden kann. Anders sieht es aus, wenn Sie möchten, dass jemand in Ihrem Auftrag den Account löschen kann, ohne dazu den Provider fragen zu müssen. Dann müsste er natürlich über das Kennwort verfügen. Eine echte Vertrauenssache!

Nachlasskontakt bei Facebook

Bei Facebook gibt es inzwischen die Möglichkeit ein Profil in den Gedenkzustand zu versetzen und einen Kontakt als Nachlasskontakt anzugeben, wodurch dieser die Möglichkeit bekommt, Profil- und Titelbild zu verändern, auf neue Freundschaftsanfragen zu reagieren oder einen letzten, fixierten Beitrag (etwa Informationen zu einem Gedenkgottesdienst) zu erstellen.

Bei einem Profil im Gedenkzustand erscheint dann vor dem Namen die Phrase „In Erinnerung an“ und es ist nicht mehr möglich sich an diesem Profil anzumelden.

Weiterführende Tipps im Internet

Sie möchten weiterführende Informationen zum Thema lesen? Dann können Sie zum Beispiel auf Tipps der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zurückgreifen. Sie sind im Internet abrufbar unter